Urlaubsbräune im Land der braunen Gesinnung?

Warum ich gerne wieder nach Mecklenburg in Urlaub fahre

Bei der Bundestagswahl 2025 hat die SPD in Neustrelitz mehr als die Hälfte ihrer Stimmen an die AfD verloren. Und ausgerechnet dort soll ich Urlaub machen? Unterstütze ich damit nicht die Falschen? Bin ich als eher linksgrün orientierter, liberal denkender Mensch dort überhaupt noch willkommen? Und was spricht eigentlich dafür, trotzdem nach Mecklenburg zu reisen?

Vielleicht gerade deshalb!

Denn Wahlergebnisse erzählen etwas über politische Stimmungen – aber nur sehr selten über die Menschen, denen man im Urlaub begegnet. Mecklenburg ist nicht nur eine Zahl auf einer Wahlkarte. Es ist eine Region mit beeindruckender Natur, engagierten Gastgeberinnen und Gastgebern, kleinen Familienbetrieben, kulturellen Initiativen und vielen Menschen, die sich für Offenheit, Demokratie und ein lebendiges Miteinander einsetzen.

Ein Ort, der das für mich beispielhaft verkörpert, ist die Alte Kachelofenfabrik in Neustrelitz. Aus einer ehemaligen Industrieanlage ist dort in den vergangenen Jahrzehnten ein Kultur- und Tourismuszentrum entstanden – mit Programmkino, Galerie, Lesungen, Konzerten, regionaler Gastronomie und einem ökologisch gebauten Hotel. Das Motto lautet: „Tagsüber Natur – abends Kultur“. Wer dort übernachtet oder einkehrt, unterstützt nicht irgendeinen anonymen Hotelkonzern, sondern einen Ort, an dem Kultur, Begegnung und Nachhaltigkeit bewusst zusammengebracht werden. Seit vielen Jahren setzt sich die Basiskulturfabrik für Filmkunst, kulturellen Austausch und gesellschaftliches Engagement ein und ist damit weit mehr als nur eine Unterkunft. (neustrelitz.de)

Genau das ist für mich ein wichtiger Punkt: Wer hier Urlaub macht, unterstützt in der Regel keine politischen Parteien, sondern Pensionen, Cafés, Fahrradverleiher, Kanubetriebe, Naturführerinnen, regionale Produzenten und kulturelle Einrichtungen. Das Geld bleibt vor Ort und stärkt diejenigen, die ihre Region mit Ideen, Gastfreundschaft und Engagement gestalten.

Hinzu kommt: Sich aus Regionen zurückzuziehen, weil einem Wahlergebnisse nicht gefallen, hilft den demokratischen Kräften dort kaum. Begegnungen schaffen Verständnis. Tourismus bringt Menschen miteinander ins Gespräch und zeigt, dass Offenheit keine Einbahnstraße ist.

Ich habe Mecklenburg als gastfreundlich, herzlich und erstaunlich vielfältig erlebt. Die Weite der Seenlandschaft, stille Wälder, kleine Städte und kulturelle Orte wie die Kachelofenfabrik machen die Region für mich besonders. Sie erinnern daran, dass eine Gesellschaft nie nur aus Wahlergebnissen besteht, sondern vor allem aus den Menschen, die dort leben und sich jeden Tag einbringen.

Natürlich muss jeder selbst entscheiden, wohin er reist. Für mich gehört aber auch dazu, Menschen nicht auf ihr Kreuz auf dem Wahlzettel zu reduzieren. Deshalb fahre ich gerne wieder nach Mecklenburg – wegen der Natur, wegen der Menschen und weil ich überzeugt bin, dass Begegnung mehr bewirken kann als Distanz.